LDDL im Internet

Suchen & Finden

LDDLLDDL

Leben und Sterben

Tod durch Enthauptung

Durch die anthropologischen Untersuchungen konnten zwei besondere Schicksale aus Lauriacum ans Licht gebracht werden: Die Skelettreste der jungen Männer aus den Gräbern 19 und 205 vom Gräberfeld Steinpaß weisen Schnittspuren an den Halswirbeln auf – Zeichen des Todes durch Enthauptung.

Nur selten können wir an (prä-)historischen Skeletten die Hinweise auf die Todesursache entdecken. Am Knochen bilden sich generell wenige, zumeist chronische Krankheitsprozesse ab, die zwar Hinweise auf den Gesundheitszustand des Individuums geben, aber eben meist nichts über dessen Tod verraten. Die klar erkennbaren, glatten Schnitte an den Halswirbeln sind die seltene Ausnahme und somit ein anthropologischer „Glücksfall“.

Betrachten wir die erhaltenen Halswirbel, lassen sich einige Gemeinsamkeiten beider Dekapitationen erkennen: Beide Schnitte sind sehr glatt – vermutlich wurden beide durch ein scharfes Schwert zugefügt. Es zeigt sich außerdem die gleiche Schnittführung (von hinten nach vorne), ein ähnlich schräger Winkel und die annähernd gleiche Positionierung. All das deutet auf ein ähnliches Setting hin – die Körperpositionen des Enthaupteten und des Schwertführenden waren wohl annähernd gleich. Dies lässt am ehesten an die Enthauptung durch das Schwert bei Vollzug der Todesstrafe denken, die wohl zumeist ähnlich war. Aus Überlieferungen ist bekannt, dass dabei dem Scharfrichter der Nacken des Verurteilten präsentiert wurde, der Hieb also von hinten erfolgte. Vollstreckt wurde diese Todesstrafe in der Regel von einer militärischen Charge, den sog. speculatores. Geahndet wurden damit Verbrechen wie etwa Mord, Raubüberfälle, Diebstahl und Kriegsdienstverweigerung. Auch viele Christen starben den Tod durch das Schwert.

Grab 19: Der enthauptete Schädel wurde wieder sorgfältig an die richtige Stelle gelegt, ist aber danach etwas verrollt (Foto: OÖLKG).

Gleichwohl die Schnittspuren untrüglich sind, ist die Rekonstruktion des „Tathergangs“ reine Spekulation, die auf Indizien beruht. Es gibt auch andere Erklärungsmöglichkeiten, die von Kampfhandlungen, über einen Unfall bis hin zur Leichenschändung reichen. Eines steht aber fest: Beide Männer wurden sorgfältig in die Grabgrube gelegt, die Hinterbliebenen hatten also sehr darauf geachtet, dass den zwei Männern ein sorgfältiges und würdevolles Bestattungsritual gewährt wurde. Das Geheimnis, warum dieses Schicksal die beiden jungen Männern ereilt hat, nahmen sie aber mit ins Grab.

Verfasst von

Maria Marschler studierte Biologie/Studienzweig Anthropologie an der Universität Wien. In ihrer langjährigen Tätigkeit als Anthropologin hat sie zahlreiche Skelettserien von der Bronzezeit bis zum Hochmittelalter analysiert, wobei ihr Forschungsschwerpunkt in der Römerzeit liegt. Im Projekt LDDL untersucht sie am Naturhistorischen Museum Wien die Körperbestattungen aus Lauriacum. www.nhm-wien.ac.at, www.researchgate.net

Das Projekt wird aus Mitteln des Heritage Science Austria-Förderprogramms der Österreichischen Akademie der Wissenschaften finanziert.

www.oeaw.ac.at

Projektträger

Naturhistorisches Museum Wien
OÖ Landes-Kultur GmbH
Paris Lodron Universität Salzburg

Weitere Beiträge

LDDL

These are some of the questions that isotopic and paleogenetic analyses help addressing.

Leben und Sterben

Geister und Wiedergänger in römischer Zeit.

Leben und Sterben

Bei der Verbrennung eines Leichnams auf dem Scheiterhaufen bleiben nur stark fragmentierte Knochen übrig. Dennoch stellt Leichenbrand eine wichtige Informationsquelle zum Leben der Menschen...

Leben und Sterben

Im Fokus des LDDL-Projektes stehen die Grabungen der 2000er Jahre in den Gräberfeldern Kristein und Am Lagergraben.