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Leben und Sterben

Geschlechterfragen

Das biologische Geschlecht des Verstorbenen ist ein sehr wichtiger Parameter in der Anthropologie und Grundlage für alle weiteren Untersuchungen. Bestimmt wird es anhand bestimmter Merkmalsausprägungen am Skelett.

Mehr als 30 Merkmale beurteilen wir am Schädel und am Becken, um das biologische Geschlecht des Verstorbenen zu ermitteln. Am Schädel sind es z. B. eine fliehende Stirn, deutlich betonte Überaugenbögen und stark ausgeprägte Muskelansatzstellen am Hinterhaupt, die eher für einen Mann sprechen. Ein flaches, weites Becken mit einem weiten Sitzbeinausschnitt ist wiederum als typisch weiblich anzusprechen (Abbildung 1). Jedes Merkmal kann prinzipiell weiblich oder männlich ausgeprägt sein und wird dementsprechend beurteilt. Da nicht alle Merkmale gleich gut geeignet sind, werden sie unterschiedlich gewichtet. Der Gesamtüberblick über alle Merkmale zusammen ergibt dann die Einschätzung des Geschlechts eines Individuums. 

Abbildung 1: Illustration eines männlichen (links) und weiblichen (rechts) Skeletts (Quelle: Wellcome Images, J. G. Cloquet, Anatomie de l’homme, 1821 – 1831 Wellcome L0013281; WellcomeCollection.org, CreativeCommons.org, keine Änderungen vorgenommen).


Manchmal sind die Merkmale aber nicht eindeutig ausgeprägt, oder es können auch an einem Skelett weibliche und männliche Merkmale nebeneinander vorkommen. Hier stoßen wir morphologisch – also die äußere Gestalt beurteilend – an unsere Grenzen, und das Geschlecht ist als indifferent zu beurteilen. Ist ein Skelett so schlecht erhalten, dass keine oder nur sehr wenige Merkmale beurteilt werden können, ist das Geschlecht morphologisch nicht bestimmbar. Helfen könnte in solchen Fällen nur eine aDNA-Untersuchung. Diese haben wir auch an ausgewählten Skeletten des Gräberfeldes Kristein-Ost durchgeführt – wir werden auch darüber berichten!

Verfasst von

Maria Marschler studierte Biologie/Studienzweig Anthropologie an der Universität Wien. In ihrer langjährigen Tätigkeit als Anthropologin hat sie zahlreiche Skelettserien von der Bronzezeit bis zum Hochmittelalter analysiert, wobei ihr Forschungsschwerpunkt in der Römerzeit liegt. Im Projekt LDDL untersucht sie am Naturhistorischen Museum Wien die Körperbestattungen aus Lauriacum. www.nhm-wien.ac.at, www.researchgate.net

Das Projekt wird aus Mitteln des Heritage Science Austria-Förderprogramms der Österreichischen Akademie der Wissenschaften finanziert.

www.oeaw.ac.at

Projektträger

Naturhistorisches Museum Wien
OÖ Landes-Kultur GmbH
Paris Lodron Universität Salzburg

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