Manche sind ganz natürlich (z. B. als Durchlass für Blutgefäße und Nerven), andere entstehen durch Krankheiten. Betrachtet man Skelette von Verstorbenen, kommt eine weitere Möglichkeit hinzu: die Erosion, also Schädigungen des Knochens, die durch die Lagerung im Boden entstehen. Die Abgrenzung zwischen diesen Zustandsbildern ist mit einer gewissen Erfahrung meist durchaus machbar. Manchmal werden wir Anthropolog*innen aber vor große Herausforderungen gestellt.

Das Skelett eines 14–18-jährigen Jugendlichen aus dem Gräberfeld Kristein-Ost in Lauriacum ist so ein Fall. Schon auf dem Grabfoto sieht man, dass die Erosion hier schon zu einem Verlust von ganzen Knochenpartien geführt hat (Abb. 1). Besonders die fragilen Teile, wie etwa die Gelenksenden der Langknochen, sind stark angegriffen. Betrachtet man die Knochen genauer, fallen hier eher ungewöhnliche Löcher auf, die sich vor allem im Becken, einigen Wirbeln, Rippen und Handknochen finden (Abb. 2).

Ein Beckenknochen des Jugendlichen mit ungewöhnlichen Lochdefekten (Foto: M. Marschler).
Diese ähneln vom Aussehen her Veränderungen, die durch Knochenmetastasen hervorgerufen werden. Wäre das Skelett sehr gut erhalten, stünde diese Diagnose fast außer Zweifel. Aber bei diesem Erhaltungszustand? Hier können erosive Prozesse als Ursache keinesfalls ausgeschlossen werden, sie sind sogar sehr wahrscheinlich. Also was tun? Wir werden hier auf alle Fälle noch eine Röntgenuntersuchung der betroffenen Knochen durchführen, die hoffentlich Klärung bringt. Bis dahin bleibt es spannend!
Maria Marschler studierte Biologie/Studienzweig Anthropologie an der Universität Wien. In ihrer langjährigen Tätigkeit als Anthropologin hat sie zahlreiche Skelettserien von der Bronzezeit bis zum Hochmittelalter analysiert, wobei ihr Forschungsschwerpunkt in der Römerzeit liegt. Im Projekt LDDL untersucht sie am Naturhistorischen Museum Wien die Körperbestattungen aus Lauriacum. www.nhm-wien.ac.at, www.researchgate.net


















