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Archäometrie

Ist da der Wurm drin?

In unserem LDDL Projekt steht der Gesundheitszustand bzw. die Krankheitsbelastung der Bewohner*innen Lauriacums im Mittelpunkt der anthropologischen Analysen. Hinweise darauf verbergen sich nicht nur in den sterblichen Überresten, sondern auch in der Erde: Die Analyse auf Darmparasiten ist ein wertvoller Baustein bei der Rekonstruktion der Lebensbedingungen in der Römerzeit.

Wir konnten für unsere LDDL-Projekt eine Reihe von externen Wissenschafter*innen gewinnen, die die verschiedensten archäometrischen Untersuchungen durchführen. Einer davon ist Piers Mitchell von der University of Cambridge, Vereinigtes Königreich. Er ist Spezialist für Darmparasiten. Die Eier von Helminthen – „Eingeweidewürmern“ – sind so widerstandsfähig, dass sie Jahrtausende im Erdboden überdauern können. Um sie nachzuweisen, entnimmt man Erdproben aus dem Beckenbereich, die dann in Wasser aufgelöst und unter dem Mikroskop analysiert werden. Als Vergleich untersucht man immer auch eine Erdprobe aus dem Schädelinneren, um eine Verunreinigung des Erdbodens ausschließen zu können. Besonders erfolgversprechend ist auch die Untersuchung von Erde aus Latrinen.

Werden Wurmeier nachgewiesen, können Infektionskrankheiten und die Diversität von Endoparasiten näher beleuchtet werden. Da Helminthen über Schmutz- und Schmierinfektion, kontaminierte Lebensmittel (z. B. nicht ausreichend gegartes Fleisch, nicht ausreichend gereinigtes Gemüse) oder kontaminiertes Wasser sowie über Toiletten übertragen werden, liefern sie auch Hinweise auf die Ernährung, Kochgewohnheiten, Sanitäreinrichtungen und Hygiene.

Eier von verschiedenen Eingeweidewürmern. Bandwürmer (M: Rinderbandwurm Taenia saginata, N: Schweinebandwurm Taenia solium) und Spulwürmer (U: Ascaris lumbricoides) wurden auch bei römerzeitlichen Skeletten nachgewiesen. (Abbildung: Chandler, Asa Crawford, 1891, Public domain, via Wikimedia Commons).

[Quelle: commons.wikimedia.org]

Manchmal lässt sich auch die Gattung und sogar die Art der Würmer bestimmen. Das ist nicht nur für Zoologen interessant, sondern auch für uns Anthropolog*innen, weil wir so die Krankheitsbelastung rekonstruieren können. In verschiedenen Fundstellen aus der Römerzeit wurden z. B. bereits Spulwürmer (Ascaris sp.) und Bandwürmer (Taenia sp.) nachgewiesen. Typische Symptome eines solchen Wurmbefalls sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Heißhungerattacken. Der Körper reagiert oft aber auch mit einer überschießenden Reaktion des Immunsystems, wodurch es zu Entzündungsreaktionen an verschiedenen Stellen des Körpers kommen kann. Außerdem kann ein Wurmbefall zur Unter- und Mangelernährung oder Anämie („Blutarmut“) führen. Bei einer massenhaften Vermehrung kann sogar die Darmwand reißen oder es zum Darmverschluss kommen – ein Wurmbefall kann also auch lebensbedrohlich sein.

Verfasst von

Maria Marschler studierte Biologie/Studienzweig Anthropologie an der Universität Wien. In ihrer langjährigen Tätigkeit als Anthropologin hat sie zahlreiche Skelettserien von der Bronzezeit bis zum Hochmittelalter analysiert, wobei ihr Forschungsschwerpunkt in der Römerzeit liegt. Im Projekt LDDL untersucht sie am Naturhistorischen Museum Wien die Körperbestattungen aus Lauriacum. www.nhm-wien.ac.at, www.researchgate.net

Das Projekt wird aus Mitteln des Heritage Science Austria-Förderprogramms der Österreichischen Akademie der Wissenschaften finanziert.

www.oeaw.ac.at

Projektträger

Naturhistorisches Museum Wien
OÖ Landes-Kultur GmbH
Paris Lodron Universität Salzburg

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