Untersuchen wir ein Skelett auf Krankheiten, nehmen wir die Knochenoberfläche sehr genau unter die Lupe. Oft sind es kleinste Veränderungen, wie etwa unscheinbare Knochenneubildungen oder Porositäten, die auf eine Erkrankung hinweisen. Das setzt voraus, dass die Skelette gereinigt sind – ansonsten sind viele Veränderungen schlichtweg nicht sichtbar.
Für unser Projekt konnten wir die archäologische Grabungsfirma Novetus für diese Arbeiten gewinnen. Wir haben das große Glück, dass zwei Spezialistinnen diese Aufgaben übernehmen: Sheridan Strang und Jana Pfneiszl haben Anthropologie studiert und wissen, worauf es beim Waschen ankommt. Die Knochen dürfen nur mit einer sanften Bürste mit wenig Druck gereinigt werden, damit die Oberfläche nicht geschädigt wird. Das Zähneputzen ist besonders heikel, da sich der Zahnstein bei der Reinigung leicht löst. Zahnstein enthält jedoch viele Informationen über einen Menschen. Außerdem dürfen Knochen nicht lange im Wasser eingeweicht werden, weil sie sonst sehr weich und brüchig werden.
Bereits vor dem Waschen nehmen Sheridan und Jana Proben für unsere weiteren Untersuchungen. Sie verpacken von jedem Skelett ein Innenohr. Dieses wird an die Universität Bern geschickt, um Proben für aDNA- und Isotopenuntersuchungen zu nehmen. Hier ist es wichtig, dass der Knochen möglichst wenig verunreinigt wird – deswegen wird auf Waschen verzichtet und der Knochen so wenig wie möglich berührt.
Aus dem Becken- und Schädelbereich nehmen die beiden Erdproben, die an Piers Mitchell von der University of Cambridge, Vereinigtes Königreich, geschickt werden. Er und sein Team untersuchen diese auf Spuren von Darmparasiten, deren Eier sogar Jahrtausende im Boden erhalten bleiben können. Diese geben nicht nur Hinweise auf den Gesundheitszustand des Menschen, sondern generell über Hygiene und auch Ernährungsgewohnheiten dieser römerzeitlichen Bevölkerung (mehr dazu bald in einem weiteren Blog).
Danke, Sheridan und Jana, für Eure tolle Arbeit!
Maria Marschler studierte Biologie/Studienzweig Anthropologie an der Universität Wien. In ihrer langjährigen Tätigkeit als Anthropologin hat sie zahlreiche Skelettserien von der Bronzezeit bis zum Hochmittelalter analysiert, wobei ihr Forschungsschwerpunkt in der Römerzeit liegt. Im Projekt LDDL untersucht sie am Naturhistorischen Museum Wien die Körperbestattungen aus Lauriacum. www.nhm-wien.ac.at, www.researchgate.net




















